ProGram-iK

 

Beschreibung: 

ProGram-iK ist ein Forschungsprojekt, das gemeinsam mit dem Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der Universität Heidelberg (IDF) durchgeführt und von der Klaus Tschira Stiftung im Rahmen des Projekts „Einsatz und Entwicklung von Multimediaprogrammen für die Verbesserung der Lehre an Hochschulen“ gefördert wird. Es ergänzt das Heidelberger  multimediagestützte Lernprogramm  ProGram (propädeutische Grammatik).

Fachtexte und Computerlernprogramme

Am IDF studieren ausländische Studenten, die am IDF ein Germanistikstudium absolvieren und mit der DSH (Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang) die Berechtigung zum Studium in Deutschland erworben haben. Zwischen den sprachlichen Anforderungen der DSH und denen eines fremdsprachlichen Philologiestudiums klafft jedoch eine Lücke. Eine der größten Schwierigkeiten stellt dabei die Produktion wissenschaftssprachlicher Texte dar. Um diese Lücke zu schließen, wurde am IDF ein Sprachpropädeutikum für Erstsemester eingerichtet, das eine gezielte sprachliche Vorbereitung auf das Fachstudium umfasst. An diese Lehrveranstaltung ist ein Computertutorium mit 6 SWS zum autonomen Lernen angeschlossen. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden eine Reihe von Computerlernprogrammen eingesetzt und evaluiert. Die Evaluation findet auf zwei Ebenen statt. Zum einen wird die Leistung der Anwender durch die Programme bewertet, zum anderen bewerten die Benutzer die Lernprogramme hinsichtlich Lerninhalt und -form, Benutzerführung und Bildschirmgestaltung.

Bedarf

Der Bedarf an Lehr- und Lernmitteln zur Vermittlung studienrelevanter Kompetenzen kann für Studienanfänger nur zu einem geringen Teil gedeckt werden. Die Entwicklung von Lehrmaterialien konzentriert sich ausschließlich auf den Anfänger- und Mittelstufenbereich. Kommerzielle computergestützte Lernmaterialien bieten in der Regel Übungsformen an, die sich auf Lückentexte oder drag&drop-Übungen beschränken, d.h. es wird selten geschrieben sondern vornehmlich geklickt. Produktive Übungen, in denen vollständige, komplexe Sätze geschrieben werden müssen, finden sich kaum. Die schriftliche Kompetenz auf hohem Lernniveau kann so nicht ausreichend verbessert werden.

Dies war die Motivation für ein Lernprogramm für sehr weit fortgeschrittene DaF-Lerner im Bereich der schriftlichen Textproduktion: ProGram

In einem ersten Entwicklungsschritt wurde der komplexe sprachliche Bereich der Nominalisierung in Fachtexten (Nominalstil) zu dem multimediagestützten Lernprogramm ProGram (propädeutische Grammatik) erarbeitet (www.idf.uni-heidelberg.de/forschung/multimedia/).

Dabei wird Textrezeption wie Textproduktion gleichermaßen geübt und gefestigt. Alle Übungen sind in einen studienrelevanten Kontext eingebunden und umfassen Transformationen auf Satzebene. Ein besonderes Anliegen bei der Entwicklung von ProGram-iK lag darin, den Studierenden weiterführende hilfreiche Benutzerkommentare zur Verfügung zu stellen, wenn sie die Aufgabe nicht in vollem Umfang lösen konnten. Während der Übung werden die antizipierten Antworten systematisch kommentiert. Falsche bzw. unvollständige Antworten führen über Hyperlinks in die entsprechenden weiterführenden Hilfedateien (Referenzgrammatik, Glossar etc.). Die besondere Leistung des Lernprogramms liegt in der Möglichkeit, den sehr komplexen Bereich der Nominalisierung durch umfangreiche didaktisierte Hilfen zu weiteren Strukturbereichen umfassend zu vermitteln und zu festigen.
 

Einsatz der IAI-Werkzeuge zur qualifizierten Antwortanalyse: ProGram-iK

Der Einsatz von ProGram im Computertutorium des Sprachpropädeutikums, in weiteren sprachpraktischen Lehrveranstaltungen zur Erarbeitung von Fachtexten und in der Lehrerfortbildung ergab einerseits eine sehr positive Bewertung des Programms hinsichtlich Aufbau, Übungsform und -nhalt. Andererseits wurde die Menge der Benutzerkommentare nicht ausreichend gut beurteilt. Kommentare konnten nur dann hilfreich sein, wenn die antizipierten Antworten auch genauso gegeben wurden wie erwartet. D.h. die Form des ‚pattern matching’, der Abgleich zwischen erwarteter Antwort und Benutzereingabe, hatte sich nicht bewährt.

Um dem Anwender eine hilfreiche Rückmeldung zu geben, muss das Lernsystem eine „intelligentere“ Fehlerkorrektur beinhalten. Mit dem Ziel, ein entsprechend angepasstes Korrektursystem an ProGram anzubinden, wird gemeinsam mit dem IAI die linguistische Analyse der Lernerantworten und ihr intelligenter Vergleich mit den Musterlösungen erarbeitet. Mit Ablauf des Projekts soll den ausländischen Studierenden, bes. der Philologien, ein computergestützter Schreibkurs vorliegen, der die zentralen Bereiche der Wissenschaftssprache Deutsch bearbeitet.

Hierzu werden Komponenten verwendet, die aus den Tools zu Spelling und Syntax Checking kommen, wie sie im Duden KORREKTOR bereits langjährig erprobt sind. Weitere Teile stammen aus den Werkzeugen zur Terminologie- und Stilkontrolle aus CLAT. Der Mechanismus zum linguistisch intelligenten Vergleich der Lernerantwort mit einer oder mehreren Musterlösungen wurde speziell für ProGram-iK entwickelt, ebenso wie eine zusätzliche Grammatikkomponente, die besonders Fehler von DaF-Lernern berücksichtigt. Hierzu wurde u.a. die Fehlerdatenbank von Heringer herangezogen, die jedoch nach morphologischen und syntaktischen Prinzipien systematisiert wurden. Die Hauptgruppen dieser Fehlersystematik sind:

  1. Verbstellung
  2. Orthographie
  3. Zeichensetzung
  4. Präpositionen
  5. Tempus des Verbs
  6. Kongruenz Subjekt-Verb
  7. Kasusfehler nach Präpositionen

Ein Einsatz dieser Werkzeuge und ihre Weiterentwicklung wurden auch im EU-Projekt ALLES (Advanced Long-Distance Language Education System) gefördert. Dieses Projekt konzentrierte sich auf die Fachsprache der Wirtschaft in vier Sprachen (Englisch, Deutsch, Spanisch und Katalanisch). Die Innovation des Projekts liegt auch hier in der Verwendung modernster Sprachtechnologien, die es erlaubt, auf der Basis automatischer Interpretation des Inputs intelligente Antworten zu generieren und damit Unabhängigkeit vom menschlichen Tutor zu garantieren. Insbesondere erfolgt hier auch eine inhaltsbezogene Prüfung, d.h. die Software prüft bei längeren Textaufgaben, ob wichtige Konzepte in der richtigen Reihenfolge in der Antwort enthalten sind.